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HelloBetter App - ein ehrlicher Erfahrungsbericht

Hallo Du! Dieser Text ist sehr offen und ehrlich geschrieben, außerdem ist er sehr persönlich. Ich möchte dich also vorab darum bitten, respektvoll damit um zu gehen. Sollte dich das Thema Depression triggern ist dieser Text nichts für dich. Schaue doch gerne, ob du einen anderen bei uns findest!


Zum Ende des letzten Jahres hatte ich eine depressive Episode. Ich hatte wiederholt psychosomatische Beschwerden, wie Kopfschmerzen, aber auch Magen-Darm und meine Laune war sehr oft schlecht.

Das lag zu einem großen Teil daran, dass ich es nicht gut aushalten kann, wenn ich in einer Situation nicht die Kontrolle habe. Das bedeutet, dass ich Lebensumstände gehabt habe, wo es Dinge gab, die ich nicht selbst ändern konnte. Das hört sich jetzt erstmal völlig konfus an, aber manchmal ist man im Leben bereit, große Kompromisse einzugehen, weil einem das, was man dadurch gewinnt, so wertvoll ist.

So einen Kompromiss bin ich eingegangen, indem ich in den Süden von Deutschland gezogen bin. Ich habe das völlig freiwillig gemacht und bin auch bis heute davon überzeugt, dass es das Richtige für mich war.

Ich bin jedoch ein Kind der Meere und fühlte mich zwischen den Bergen irgendwie eingesperrt. Die Landschaft zu erkunden hat mir Spaß gemacht. Schlossruinen und Wasserfälle gibt es im Norden nicht so häufig wie im Süden. Ich konnte aber mit den Menschen dort nicht wirklich warm werden. Rundum habe ich mich also nicht wirklich wohl gefühlt und habe nach etwa einem Jahr Heimweh entwickelt. Ich habe es erst gar nicht so wahrgenommen, aber im Rückblick ist es offensichtlich. Das hat sich dann auch ziemlich schnell auf meine Gesundheit ausgewirkt - auch das habe ich allerdings erstmal nicht gemerkt. Wenn die Werte stark schwanken und man mit Kindern arbeitet, dann ist man halt oft krank.


Es war dann irgendwann so schlimm, dass ich innerhalb von einer Woche zwei mal bei meiner Hausärztin war. Einmal konnte ich es nicht in Worte fassen, was mir eigentlich fehlt. Als ich dann zuhause war und nach ein paar Tagen realisierte, dass es mir nicht besser ging, habe ich angefangen, alle meine Symptome auf einen Zettel zu schreiben. Das gebe ich auch mal als Tipp weiter, denn das war sehr hilfreich. Diesen Zettel nahm ich dann mit zu meinem nächsten Termin. Ich bekam von der Ärztin viele gute Tipps und sie erzählte mir auch von dieser App, die man verschreiben könnte und fragte mich, ob ich offen wäre, diese mal auszuprobieren. Sie erklärte mir, dass sie mir ein Rezept ausstellen würde, welches dann drei Monate gültig sei. Ich willigte ein und kurze Zeit später bekam ich den Code zum Freischalten von der Krankenkasse.


Hoch motiviert legte ich also los. Das hielt mäßig lange an. Es kostete mich schon nochmal Kraft und Aufmerksamkeit, da die Kurse recht lang sind. Aber jetzt erstmal von Anfang an.

Wenn man sich in die App einloggt, hat man zunächst einmal ein Menü. Von hier aus kann man in sein Tagebuch eintragen, die Lektionen bearbeiten und Fragebogen zum aktuellen Zustand beantworten. Das ist jetzt auch hier links zu sehen.


Mein erster Kritikpunkt wäre, das es schon sinnvoll wäre, wenn man per Push-Benachrichtung daran erinnert werden würde, seine Stimmung in das Tagebuch ein zu tragen. Das ist nämlich die einzige Funktion des Tagebuchs und wenn man nicht erinnert wird, vergisst man es. Jedenfalls ging es mir so. Auch hätte ich gerne die Möglichkeit gehabt, kurze Sätze zu schreiben, um z.B. Muster zu erkennen, die mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen. Aber vielleicht kommen solche Funktionen mit der Zeit noch dazu.

Abgesehen davon wird man einmal pro Woche (diesmal auch per Email und Push-Nachricht) dazu aufgefordert, eine Lektion zu bearbeiten, dabei bauen die verschiedenen Methoden aufeinander auf. Wie schon weiter oben erwähnt, kostet das schon ein bisschen Energie. Ich würde mal schätzen, dass man ca. 1 Stunde in der Woche dafür einplanen sollte. Die App fordert einen aber auch wiederholt auf, dies in Ruhe zu machen. Das fand ich sehr hilfreich, da man sonst vielleicht erstmal nicht erwartet, dass es so intensiv ist.


Gerade weil man in den Lektionen auch dazu aufgefordert wird, sich mit seinen Emotionen auseinanderzusetzen, ist es fordernd. Hinzu kommt, dass die Lektionen teilweise sehr textlastig sind, was aber durch kurze Erklärvideos aufgelockert wird. Die Idee fand ich gut. Trotzdem empfand ich das Schreiben manchmal als mühsam, weil ich hin und wieder das Gefühl bekam, dass sich die Antworten wiederholten und ich immer wieder auf das gleiche Problem zurückgeführt wurde. Das kann natürlich an meiner individuellen Situation gelegen haben. Ich konnte aber auch einige Dinge aufdecken, die weiterführende Bearbeitung bedürfen und habe mir daher auch fest vorgenommen, diese anzugehen.


Hier nebenan seht ihr einen Screenshot aus einer der ersten Lektionen, in der man seine eigene Situation schildern sollte.

Dazu kann ich (glücklicherweise) sagen, dass absolut nichts davon aktuell mehr zutrifft. Ich habe im Mai eine neue Stelle angefangen, schließe mein Fernstudium ab und bin umgezogen. Mein Sozialleben existiert wieder und ich könnte jederzeit zu meiner Familie fahren, wenn ich es denn wollte. Das ist alles emotional eine große Entlastung.


Außerdem habe ich mit der App gelernt, was mir gut tut und kann mich darauf besinnen, wenn meine Stimmung schwankt. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass ich eine Auswahl an Tätigkeiten brauche, zwischen denen ich spontan wählen kann, wenn meine Stimmung nicht so gut ist. Zusätzlich gibt es einige Methoden aus der App, die mit Gedanken, die einen nicht los lassen, helfen können. Manche haben mir besser geholfen als andere, aber es ist ja auch schonmal hilfreich, solche Methoden im eigenen Repertoire zu haben.

Ich hatte das Problem gerade nachts und inzwischen weiß ich auch, dass ich sehr empfindlich bin, was neue Informationen angeht. Viel Neues auf einmal macht mich einfach unruhig und dann schlafe ich nicht gut. Ich male mir dann aus, was passiert und dazu noch in verschiedensten Versionen. Da hilft mir leider auch dann keine der Methoden, denn sobald ich ein Thema erfolgreich "zur Ruhe gelegt" habe, kommt dann das nächste. In der Situation wusste ich nun schon, dass das so ist und habe zwei Baldrian Tabletten genommen, woraufhin ich wohlig ruhig geschlafen habe. Damit möchte ich einfach sagen, dass es keine alltägliche Lösung für mich ist, aber mich unterstützen kann, wenn es eben gerade besonders viel ist. Neben den Dingen, die für einen ruhigen Schlaf sowieso empfohlen werden, wie z.B. Rituale.


Als Zwischenfazit zu den Lektionen kann ich zusammenfassen, dass sie durchaus hilfreich sind, aber manchmal einfach ein bisschen zu viel. Natürlich kann man einfach aufhören und eine Lektion später weiter bearbeiten, aber manchmal will man einfach nur fertig werden und tut dies dann halbherzig. Das kam bei mir manchmal so vor, aber das liegt zu einem großen Teil auch an mir.


Immer mal wieder wird man dazu aufgefordert, einen Fragebogen auszufüllen, den sogenannten Symptom-Check. Der zeigt dann Ergebnisse über die Intensität von Depression, Ängsten und der Belastung mit Diabetes.


Bei mir hat sich über die Zeit einiges verändert. Es geht natürlich nicht einfach nur bergauf. Manchmal hatte ich das Gefühl es geht mir richtig gut und ein paar Tage später musste ich schon wieder grundlos weinen. Die App begleitete mich aber drei Monate und auch wenn hier jetzt nur ein kleiner Ausschnitt davon zu sehen ist, kann ich sagen: Am Anfang sah es wesentlich schlimmer aus.


Letztlich ist es überhaupt nicht wichtig, was irgendeine App durch Fragen anzeigt. Es kommt nur auf einen selbst an und ich weiß doch am besten, wie es mir geht.



Jetzt könnte man ja meinen, dass es mir im Januar eigentlich schon wieder gut ging. Da war nämlich klar, dass wir umziehen und unser Wunschhaus bekommen. Da war meine Laune natürlich erstmal gut. Trotzdem musste ich mich dann erstmal von meinem guten Arbeitsplatz und den Kindern dort verabschieden, wusste nicht, wie es bei mir beruflich weiter geht und hatte natürlich Angst, dass der Umzug nicht den gewünschten Effekt auf meine Laune hat. Da ich mich in meine Gedankenspiralen inzwischen nicht mehr so sehr hinab begebe und auch mit meinen Ängsten besser umgehen kann, würde ich aber trotzdem sagen, dass ich die depressive Episode überwunden habe.


Ich erwarte gar nicht, dass es von den einen auf den anderen Tag weg ist. Die App hat aber den Vorteil, dass ich eine stetige Besserung visuell sehen kann - und das ist wirklich sehr von Vorteil. Gerade für die eigene Motivation am Ball zu bleiben und sich immer mal wieder auf sich und die eigenen Bedürfnisse zu besinnen. Vor allem wenn man seine Probleme noch nicht konkretisiert hat und gar nicht weiß, wo man eigentlich anfangen soll, denke ich, dass die App dabei helfen kann, herauszufinden, woran man eigentlich arbeiten möchte. Daher würde ich sie auch weiterempfehlen, aber nur an Menschen, die weder lese- noch schreibmüde sind. Für die Reflexion am Ende oder auch zwischendurch ist es bestimmt hilfreich, wenn man möglichst detaillierte Schilderungen schreibt.


Falls du selbst Erfahrungen mit der App oder ähnlichen Themen gemacht hast, hinterlasse sie doch gerne hier in den Kommentaren. Mich würde besonders interessieren, ob deine Ärztin/ dein Arzt schon von der App gehört hatte oder du danach gefragt hast.


Disclaimer: Der hier veröffentliche Erfahrungsbericht ist nicht beauftragt und keine Werbung.

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